Was tun bei Panikattacken?


Kennen Sie das? Sie sitzen auf dem Sofa, sind in der Stadt unterwegs oder erledigen alltägliche Aufgaben und plötzlich beginnt ihr Herz zu rasen, sie schwitzen, Ihnen wird warm, Sie zittern und Sie haben das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Sie wissen gar nicht wieso das gerade passiert ist. Sie haben möglicherweise sogar Angst, dass etwas mit Ihrem Herzen nicht stimmt, der Arzt findet jedoch keine Befunde. Einen konkreten Auslöser können Sie vielleicht gar nicht benennen.

Solch eine Situation jagt uns ziemliche Angst ein, weil wir ratlos versuchen, eine Erklärung für das Geschehene zu finden. Tatsächlich ist eine Panikattacke aber gar nicht selten. Man sagt, dass jeder Dritte Mensch in seinem Leben eine Panikattacke erlebt. Meist gibt es einen Zusammenhang mit belastenden Lebensereignissen oder die Anhäufung von Belastungen über einen längeren Zeitraum. Die Panikattacke kann somit Ausdruck der Belastung und ein Zeichen des Körpers sein, etwas im Leben zu verändern. Sich mit den Belastungen auseinanderzusetzen oder mehr Ausgleich im Leben zu schaffen. Eine Panikattacke alleine ist zwar alles andere als angenehm, macht aber erst einmal noch keine psychische Erkrankung aus. Erst wenn es über einen längeren Zeitraum wiederholt zu Panikattacken kommt, Sie merken, dass Sie Ihr Leben immer weiter einschränken und sich zunehmend vor verschiedenen Situationen fürchten, empfiehlt es sich, eine ambulante Psychotherapie zu suchen. Denn Angsterkrankungen sind neben Depressionen eine der häufigsten psychischen Erkrankungen und lassen sich, wissenschaftlich erwiesen, sehr gut und wirksam psychotherapeutisch behandeln.

Was gibt es für verschiedene Angstformen?


Angsterkrankungen können ganz unterschiedlich aussehen. Viele von Ihnen werden den Begriff Phobie bereits kennen. Aber Sie fragen sich vielleicht, welche Formen es überhaupt gibt. Im Bereich der Phobien unterscheiden wir verschiedene Typen:

  • Tier-Typus: Die Angst bezieht sich also auf ein spezifisches Objekt. In diesem Fall auf ein bestimmtes Tier oder schon die Vorstellung dieses Tieres. Typische Beispiele sind die Spinnenphobie (Arachnophobie), Hundephobie oder Insektenphobie
  • situativer Typus: Die Angst bezieht sich auf eine spezifische Situation oder die alleinige Vorstellung der Situation. Typische Beispiele sind die Angst vor Fahrstühlen, Tunneln oder Höhen (Akrophobie)
  • Naturgewalten-Typus: Die Angst bezieht sich auf spezifische Naturphänomene oder die alleinige Vorstellung dieser Phänomene. Typische Beispiele sind Stürme, Gewitter oder Wasser
  • Blut-Injektions-Verletzungstypus: Die Angst bezieht sich auf das Betrachten von Blut, darauf eine Spritze zu bekommen oder sich zu verletzen. Dabei reicht auch hier die alleinige Vorstellung oder das Betrachten bei anderen Personen aus, um eine Angstreaktion auszulösen.

Beruhigungsmethoden bei Angst


Beruhigungsmethoden bei Angst können ganz unterschiedlich aussehen. Allen ist jedoch gemein, dass sie nur kurzfristig hilfreich sind und die Angst langfristig aufrechterhalten. Typische Beruhigungsmethoden sind dabei Ablenkung, Vermeidung, Schonverhalten, gedankliche Beruhigung („Es wird schon nichts passieren.“).

Wie werden Panikattacken psychotherapeutisch behandelt? Ablauf einer Angsttherapie


Vor dem Beginn einer Therapie werden sogenannte probatorische Sitzungen vereinbart. Diese dienen dem Kennenlernen von Patient:in und Therapeut:in sowie der Klärung, ob eine mögliche Behandlung den Erwartungen von Patient:innen entspricht oder äußere Faktoren zunächst geregelt werden sollten, bevor sich der Therapie gewidmet werden kann.

Sie fragen sich nun sicherlich wie Panikattacken psychotherapeutisch behandelt werden können. In der Behandlung von Ängsten geht es im Wesentlichen darum, die Angst vor der Angst zu verlieren, Angst als natürliche Reaktion des Körpers akzeptieren zu lernen und verknüpfte Befürchtungen zu hinterfragen und prüfen. Der Körper hat gelernt bei bestimmten Objekten oder in bestimmten Situationen mit Angst und folglich mit Flucht zu reagieren. Die Flucht aus oder die allgemeine Vermeidung der Situation führt zu einem Nachlassen der Angst. Hierdurch lernen wir, dass Flucht und Vermeidung eine sinnvolle Reaktion auf eben diese angstauslösenden Situationen und Objekte ist. Allerdings führt genau dies langfristig zu Belastung und Einschränkungen im Alltag und einem daraus resultierenden Leidensdruck. In der psychotherapeutischen Behandlung geht es also darum, das gelernte Verhalten aufzugeben und sich den gefürchteten Situationen zu stellen. Dieses Vorgehen nennen wir Konfrontations- oder auch Expositionsbehandlung. Bei der Konfrontation mit einem angstauslösenden Objekt oder Situation können wir Befürchtungen prüfen („die Spinne wird mich attackieren“) und korrigierende Erfahrungen machen (die Spinne flüchtet beispielsweise vor uns Menschen). Diese korrigierenden Erfahrungen führen dazu, dass die Angst nachlässt, wir andere Verhaltensweisen im Umgang mit diesen Objekten oder Situationen lernen und sich unser Handlungsspielraum wieder erweitert.

Was hilft bei Panikattacken?


Angst ist eine ganz natürliche Reaktion des Körpers, die allein evolutionär betrachtet etwas ganz Sinnvolles ist, denn sie hat uns am Leben erhalten. Angst gibt uns einen Hinweis auf Gefahren und schützt uns. Allerdings kann die Angst manchmal „fehlzünden“ und in eigentlich ungefährlichen Situationen ausgelöst werden. Wichtig ist es, sich den angstbesetzten Situationen, wenn möglich, zu stellen und diese nicht zu vermeiden. Ganz bewusst in Situationen hinein zu gehen, Befürchtungen bewusst zu machen und diese zu prüfen.

Wie können Außenstehende bei Angst und Panikattacken helfen?


Als Außenstehende wollen wir natürlich den Menschen in unserem Leben helfen. Vielleicht ist der erste Impuls die andere Person bei einer Panikattacke abzulenken, aufzumuntern, die Aufgabe abzunehmen oder zu Schonverhalten zu ermutigen. Das beste was wir allerdings machen können, ist das Gegenüber dabei zu unterstützen, selbst in die angstbesetzte Situation zu gehen, sich der Angst zu stellen und neue Erfahrungen zu machen.