Was ist eine Paartherapie?


Die meisten Paare stellen sich in einer Paartherapie vor, weil sie mit der Lösung eines akuten (z. B. Probleme mit den Folgen von Untreue) oder chronischen Konflikts (z. B. belastende Lebenssituationen, die sich auf die Partnerschaft auswirken; Trennungswünsche) überfordert sind. Dann kann es hilfreich sein, dass ein professionelle:r Moderator:in die Paare bei der Bewältigung durch den Einsatz therapeutischer Methoden unterstützt und einen Raum bietet, in dem die PartnerInnen gleichermaßen ihre Ansichten und Gefühle ausdrücken können. Um das zu ermöglichen, achten unsere PsychotherapeutInnen darauf, zu beiden PartnerInnen eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Dabei muss keine Erkrankung vorliegen, wie der Begriff „Therapie“ zunächst vermuten lässt. Es ist eher oft so, dass Paare über die Zeit in eine Art Zwangsprozess (nach Patterson und Reid) geraten, bei dem die Interaktion immer destruktiver wird.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Sie möchten, dass Ihr:e Partner:in häufiger den Abwasch macht, aber er:sie tut Ihnen den Gefallen nicht. Das frustriert sie und sie beginnen, zu nörgeln oder hören selbst auf, den Abwasch zu erledigen. Erst wenn Ihr Partner dann einlenkt, wenden sie sich ihm wieder positiv zu. Scheinbar hat Ihre Strategie funktioniert und Sie wenden sie in Zukunft häufiger an. Aber: Auch Ihr Partner lernt, dass negative Strategien wie Nörgeln scheinbar hilfreich sind, anstatt ein Bedürfnis weiterhin direkt zu äußern. Diese negativen Interaktionen führen gehäuft zu immer stärkerer Unzufriedenheit einer fortgesetzten Eskalation. Studien haben auch gezeigt, dass die Ehequalität zu einem hohen Maß von den Kommunikations- und Problemlösefähigkeiten der PartnerInnen abhängt, weniger von der Art und Menge der Probleme oder der Persönlichkeit der PartnerInnen. Das bedeutet, dass nach dem Balance-Modell (nach Gottman) für eine stabile Partnerschaft das Verhältnis von positiven zu negativen Interaktionen (in Studien 5:1) entscheidend ist.

Unsere PsychotherapeutInnen unterstützen Paare dabei, aus Zwangsprozessen auszusteigen und die Balance wiederherzustellen. Sie achten auf die Autonomie und Eigenverantwortung des Paare, damit es seine Probleme langfristig selbständig lösen und eine zufriedenstellende Partnerschaft führen kann.

Was macht man in einer Paartherapie?


Das Vorgehen in einer Paartherapie ist wie jedes Paar selbst sehr individuell. In der Verhaltenstherapie stehen vor allem Kommunikationstrainings im Vordergrund, häufig werden auch verschiedene Therapieansätze wie systemische Methoden integriert. Zunächst werden unsere PsychotherapeutInnen über Verhaltensanalysen die Bedingungen für Konflikte und Unzufriedenheit mit dem Paar erarbeiten. Die PartnerInnen lernen bei einem Kommunikationstraining, wieder „richtig zu sprechen“ und „richtig zuzuhören“. Das bedeutet auf der einen Seite, seine Gefühle angemessen zu äußern, ohne anzuklagen oder Vorwürfe zu machen und auf der anderen Seite das Gesagte des anderen tatsächlich aufzunehmen, anstatt voreingenommen zu interpretieren oder zu unterbrechen. Diese Fertigkeiten werden in den Sitzungen anhand von allgemeinen und dann persönlichen Beispielen mit Rollenspielen geübt. Anschließend können konkrete Strategien zur Problemlösung vermittelt werden, um mit Stresssituationen besser umgehen zu können. Unsere PsychotherapeutInnen erarbeiten mit dem Paar, wie wieder mehr positive Zeit miteinander verbracht werden kann und die jeweiligen Bedürfnisse in der Beziehung angemessen befriedigt werden können. Auch kognitive Methoden, also das Herausfinden und Hinterfragen nicht-hilfreicher Gedanken, können zum Einsatz kommen, um überzogene Erwartungen wie „Mein Partner muss mich glücklich machen“ oder unangemessene Ursachenzuschreibungen wie „Sie tut das immer, um mir eins auszuwischen“ zu verändern.

Wie erfolgreich ist Paartherapie?


Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Paartherapie ist zunächst die Bereitschaft beider PartnerInnen sich auf den Prozess einzulassen, neues Verhalten zu üben und einen gezielten Transfer in den Alltag zu versuchen. Es ist wichtig, ein gemeinsames Anliegen zu erarbeiten, dass ganz unterschiedlich sein kann und bei dem unsere PsychotherapeutInnen unterstützen sollen. Der Erfolg einer Paartherapie lässt sich dann an ganz verschiedenen Faktoren messen: Hat sich die Paarbeziehung verbessert, woran ist das bemerkbar? Erleben sich die PartnerInnen als weniger belastet und zufriedener mit der Beziehung? Sind individuelle Beschwerden zurückgegangen? Ist die Kommunikation zugewandter und positiver als zuvor? Wurde eine konstruktive Trennung erreicht? Die Forschung zeigt, dass etwa zwei Drittel der Therapien eine Verbesserung mit sich bringen.