Essen ist für den menschlichen Körper lebensnotwendig. Darüber hinaus befriedigt Essen seelische Bedürfnisse. Wir trösten uns, verwöhnen uns oder belohnen uns mit Essen. Auch im familiären und gesellschaftlichen Kontext kommt dem Essen eine große Rolle zu. So zeigen wir mit dem gemeinsamen Essen die Verbundenheit zu anderen. Unter dem Begriff Essstörungen werden Erkrankungen zusammengefasst, bei denen Betroffene sich ständig mit ihrem Körpergewicht und den Möglichkeiten dieses zu reduzieren beschäftigen. Durch die intensive Angst, dick zu sein oder zu werden, leidet das Selbstwertgefühl. Hierdurch wird das Essen nicht mehr frei und unbeschwert genossen, sondern geht mit Schuld-, Versagens- und Schamgefühlen einher.

 

Man unterscheidet in folgende Essstörungen:

Anorexia nervosa (Magersucht)

Das Hauptsymptom einer Anorexia nervosa ist starkes Untergewicht, das durch strenges Hungern, viel Sport, Erbrechen oder dem Missbrauch von Abführmitteln und Appetitzüglern selbst herbeigeführt wird. Trotz des erheblichen Untergewichts empfinden sich Menschen, die an einer Anorexia nervosa leiden als unakzeptabel dick. Das Selbstwerterleben ist stark an das Körpergewicht gekoppelt und die Gedanken kreisen um die Themen Essen, Kalorien, Lebensmittel und Ernährung. Es kann zu Ritualen kommen, wie langes Kauen, das Essen in kleinste Stückchen zerteilen oder dem Verstecken und Horten von Lebensmitteln.

Aufgrund der Mangelernährung können viele körperliche Probleme auftreten bis hin zum Tod. So kann es u.a. zum Ausbleiben der Monatsblutung, Frieren, Herzrhythmusstörungen, Haarausfall kommen. Anorexia nervosa betrifft überwiegend Frauen. Häufig beginnt die Erkrankung in der Pubertät. Zwischen einem halben bis ein Prozent der Bevölkerung sind von der Magersucht betroffen.

 

Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Die Bulimie ist durch regelmäßige Heißhungerattacken gekennzeichnet. Hierbei werden innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Nahrung verzehrt, während derer einen Kontrollverlust stattfindet. Nach einem Essanfall beherrschen Schuld- und Schamgefühle die Gedanken. Um nicht zuzunehmen werden Gegenmaßnahmen unternommen. So werden Strategien wie Erbrechen, viel Sport treiben, Fasten oder die Einnahme von Abführmitteln eingesetzt. Körperliche Folgen sind häufig. So kann es u.a. zu einem Kalium- und Magnesiummangel, einer Reizung der Speiseröhre, Karies oder einer Nierenschädigung kommen.

Die Bulimie ist mit ca. 1,5 Prozent in der Bevölkerung häufiger als die Anorexia nervosa. Dennoch bleibt sie oft unerkannt. Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Das Erkrankungsalter liegt meisten zwischen dem 20. bis 30. Lebensjahr. In 1/3 der Fälle findet sich eine Anorexia nervosa in der Vorgeschichte.

 

Binge-Eating-Störung

Kennzeichnend für eine Binge-Eating Störung sind Essanfälle. Dabei nimmt die betroffene Person deutlich mehr Nahrungsmittel zu, als die meisten Menschen es unter ähnlichen Umständen täten.  Während eines Essanfalls erleben die Betroffenen einen Kontrollverlust und essen, obwohl kein Hungergefühl besteht. Aus Scham essen die Betroffenen meistens allein. Nach der verzehrten Mahlzeit besteht ein großer Leidensdruck, der einhergeht mit Niedergeschlagenheit, Schuld- und Ekelgefühlen. Es finden keine systematisch eingesetzten Gegenmaßnahmen statt, wie z. B. Erbrechen oder der Missbrauch von Diuretika.

Frauen sind von der Binge-Eating-Störung etwas häufiger als Männer betroffen. Insgesamt wird von ca. 2% Betroffenen ausgegangen. Damit ist die Binge-Eating-Störung eine der häufigsten Essstörungen. In ca. 2/3 der Fälle geht die Binge-Eating-Störung mit Adipositas (starkem Übergewicht) einher.

 

Therapiemöglichkeiten

Ziel der Behandlung von Essstörungen ist es zu lernen wieder „normal“ zu essen und sich den damit verbundenen Ängsten und Befürchtungen zu stellen. Ein weiterer Bestandteil der Behandlung ist es, den eigenen Körper akzeptieren zu lernen und das Selbstwertgefühl zu verbessern. Zusätzlich sollten die zugrundeliegenden Probleme und Konflikte bearbeitet werden. Die Therapie der Wahl ist bei Essstörungen die Kognitive Verhaltenstherapie, mit Elementen aus dem Selbstsicherheitstraining.