Was ist Mutismus?


Wenn Kinder unter bestimmten Bedingungen (z.B. im Kindergarten oder in der Schule) nicht sprechen, in anderen Situationen (meistens zu Hause) jedoch normal und altersgerecht sprachlich kommunizieren können, nennt man das selektiven Mutismus. Begleitet wird die Störung häufig von sozialer Ängstlichkeit, oppositionellem, aufsässigem Verhalten oder auch von Regulationsstörungen des Schlafes, Essens oder der Ausscheidungsfunktionen.

Woran erkennt man mutistische Kinder?


Mutistische Kinder sprechen in bestimmten, klar vorhersehbaren sozialen Situationen nicht. In diesen Momenten kann bei den Kindern ein starrer Blick, eine steife, verkrampfte Körperhaltung und ein regungsarmer Gesichtsausdruck beobachtet werden. Zumeist reagieren die Kinder verzögert und vermeiden den Blickkontakt. Zu Hause, im vertrauten Umfeld sprechen sie hingegen teilweise extrem viel. Weiterhin haben mutistische Kinder zumeist Schwierigkeiten soziale Situationen zu initiieren. Sie scheinen ihr Umfeld sorgfältig zu beobachten und wahrzunehmen, haben aber oft Schwierigkeiten ihre eigenen Gefühle auszudrücken. Im Gegensatz zu schüchternen Kindern, welche sich aktiv einen Weg suchen, in der fremden Umgebung Vertrauen zu fassen und sich allmählich öffnen können, verharren mutistische Kinder in ihrem Schweigeverhalten und entwickeln keine Strategien zur Anpassung an die neue Situation.

Was sind die Ursachen von Mutismus?


Es gibt meist nicht eine bestimmte Ursache für das Schweigen, meist liegt dem ein ganzes Bedingungsgefüge zugrunde. Ungünstige Bedingungen, welche zu einem Schweigeverhalten führen können, sind Bindungsunsicherheiten, Mehrsprachigkeit, familiäre Stress- und Belastungsfaktoren, zurückhaltendes, introvertiertes Temperament sowie ähnliches Verhalten bei anderen Familienmitgliedern. Das Schweigeverhalten kann zunächst aus einer kindlichen Überforderung heraus auftreten und als Lösungsversuch des Kindes verstanden werden. Durch das Schweigen steigt das Kind sprachlich und kommunikativ aus schwierigen sozialen Situationen aus. Durch die zunehmende Vermeidung der sprachlichen Kommunikation verpasst das Kind zudem wichtige Schritte im sozialen, emotionalen und sprachlichen Lernen, was wiederum weitere Überforderungen nach sich zieht und in einem Teufelskreis enden kann. Die Störung tritt häufig beim Übergang des Kindes in den Kindergarten auf, welcher als erste fremde Umgebung als bedrohlich und fremd erlebt werden kann.

Was können Eltern bei Mutismus tun?


Eltern, die sich Sorgen wegen der kommunikativen Entwicklung ihres Kindes machen, können eine sprachtherapeutische und psychotherapeutische Untersuchung ihres Kindes veranlassen. Beratung finden sie ebenfalls bei Kinderärzt:innen oder in verschiedenen Beratungsstellen (z.B. bei Sozialpädiatrischen Zentren, Frühförderstellen oder Sprachambulanzen in Gesundheitsämtern). Eine therapeutische Begleitung eines mutistischen Kindes scheint meistens sehr sinnvoll damit sich die Sprachschwierigkeiten nicht weiter verfestigen und sich das gestörte Kommunikationsmuster nicht bis ins Erwachsenenalter hineinzieht. In der Therapie lernt das Kind zunächst ohne Sprache mit einer zunächst fremden Person in Kontakt zu treten. Durch Gestik und Mimik sowie gemeinsames Spielen wird Vertrauen aufgebaut damit das Kind anschließend sich auch langsam sprachlich öffnen kann. Im Verlauf der Therapie werden die Erfolge nach und nach auf den Alltag des Kindes übertragen.


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