Was ist Autismus?


„Autismus“ stellt einen weltweit gebräuchlichen Begriff dar, um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung zu beschreiben, welche vor allem durch 3 Hauptmerkmale gekennzeichnet ist:

  • Qualitative Beeinträchtigung in sozialen Interaktionen (z.B. unangemessene Einschätzung von sozialen und emotionalen Signalen, eingeschränkte Fähigkeit, einen Blickkontakt zu halten; unangemessener Einsatz von Mimik und Gestik)
  • Ausgeprägtes Spezialinteresse und evtl. stereotypische Verhaltensweisen (z.T. „zwanghaftes“ Ausführen von speziellen und nicht funktionalen Handlungen)
  • Qualitative Auffälligkeiten in der Kommunikation (z.B. verspätete oder ausbleibende gesprochene Sprache; erschwerte dialogische Kommunikation; auffällige Sprachtechniken; keine erkennbaren Phantasiespiele möglich)

Jedoch gibt es nicht mehr „den“ Autismus, sondern es wird von einer Autismus-Spektrum-Störung gesprochen, um allen Unterscheidungen im Autismus-Spektrum gerecht werden zu können.

Warum heißt es Autismus-Spektrum-Störung und nicht nur „Autismus“?


„Autismus“ umfasst verschiedene Symptome, daher wird das Wort „Spektrum“ verwendet, da es die Vielfalt umschreibt und dieser am ehesten gerecht wird. Es ist ähnlich wie mit dem Wort „Farben“, darunter werden alle Farbtöne zusammengefasst, aber jeder Farbton ist unterschiedlich und gehört dennoch zu der Kategorie „Farben“. Zu den „Farben“ des Autismus gehören insbesondere:

  • Frühkindlicher Autismus
  • Asperger-Syndrom
  • Atypischer Autismus

Die drei autistischen Phänomene können sich u. a. durch Entwicklungsaspekte, Alter bei Krankheitsbeginn, Ausprägung der Symptome und die Erfüllung der diagnostischen Kriterien unterscheiden.

Weiterführende Literatur:

Schneider, Karla; Köneke, Vanessa (2017): Warum manchmal ein Brett vorm Kopf klebt und wieso man im Sitzen miteinander gehen kann: Ratgeber für Jugendliche mit Autismus. Reinhardt Verlag, München

Welche Ursachen gibt es für eine Autismus-Spektrum-Störung?


Die genauen Ursachen für eine Autismus-Spektrum-Störung sind im Einzelnen noch ungeklärt. Jedoch ist bekannt, dass genetische Faktoren einen beträchtlichen Einfluss haben. So kann die Beeinträchtigung basaler Hirnfunktionen die Kontaktfähigkeit beeinflussen. Eine „Heilung“ von Autismus ist nicht bekannt, da die Ursache noch nicht ausreichend geklärt ist.

Was tun, wenn der Verdacht einer Autismus-Spektrum-Störung vorliegt?


Sollte ein Verdacht für eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegen, ist es hilfreich, die behandelnden Kinderärzt:innen aufzusuchen, um abklären zu können, ob es sich um „normabweichende“ oder entwicklungsbedingte Auffälligkeiten handelt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, bedarf es einer genauen Beurteilung.

Die ausführliche Diagnostik wird durch geschultes Fachpersonal durchgeführt, das mithilfe von umfangreichen Diagnostikmaterialien und ausführlichen Anamnesegesprächen eine genaue Diagnose ermitteln kann.

Es gibt ärztliche Kolleg:innen, sogenannte Kinder- und Jugendpsychiater:innen, die in ihren psychiatrischen Praxen und in MVZs (Medizinische Versorgungszentren) eine umfassende Diagnostik psychischer Störungen anbieten. Zur spezifischen Abklärung einer Autismus-Spektrum-Störung (u.a. Asperger Autismus) ist eine Diagnostik in speziellen Autismus-Ambulanzen zu empfehlen.

Bitte beachten Sie: Auch bei Therapiewunsch führen wir keine Diagnostik zu Autismus durch, da hierfür spezielle Qualifikationen notwendig sind. Zeigt Ihr Kind, welches bereits als Autist:in diagnostiziert wurde, zusätzlich emotionale oder Verhaltensauffälligkeiten, ist eine Psychotherapie in unserer Praxis natürlich möglich.

Wie kann eine Behandlung bei einer Autismus-Spektrum-Störung aussehen?


Ein früher Behandlungsbeginn hat sich als äußerst relevant erwiesen. Innerhalb einer Behandlung werden u.a. Alter, Entwicklungsstand, die sprachlichen Fertigkeiten und die individuellen Gegebenheiten berücksichtigt. In der Regel ist das übergeordnete Behandlungsziel, eine größtmögliche Selbständigkeit und Autonomie im Alltag zu erlangen sowie an Lebensqualität zu gewinnen. Es kann sinnvoll sein, ein interdisziplinäres Gesamtbehandlungskonzept aufzubauen. Dies bedeutet, dass mehrere Fachleute zusammenarbeiten und in dem Behandlungskonzept integriert werden, z.B. Pädagog:innen, Psychotherapeut:innen, Mediziner:innen, Kostenträger, Bildungseinrichtungen und Sprachtherapeut:innen. Die Komplexität des Autismus-Spektrums erfordert eine gute Kooperation aller Beteiligten, um die Kinder und Jugendlichen und deren Familien bestmöglich zu unterstützen und zu begleiten.
Im Rahmen der verhaltenstherapeutischen Behandlung kann es unter anderem darum gehen, soziale und kommunikative Fertigkeiten auszubauen, die Emotionsregulation zu fördern, die Selbstkontrolle zu trainieren, unerwünschtes Verhalten abzubauen, erwünschtes Verhalten aufzubauen und eine Förderung der lebenspraktischen Fertigkeiten (z.B. Anziehen) zu erzielen. Ebenfalls ist es sinnvoll, die Bezugspersonen in den therapeutischen Kontext mit einzubeziehen, um u.a. den Alltag strukturierter und überschaubarer gestalten zu können. Des Weiteren sollten die Bezugspersonen in den therapeutischen Prozess fest integriert werden, um die oft belastete Eltern-Kind-Beziehung zu entlasten und die Familie in ihren Ressourcen zu stärken.