Wie äußert sich eine Depression bei Kindern und Jugendlichen?


Obwohl in der Praxis die Kriterien einer „Erwachsenendepression“ nach den aktuellen Diagnoseleitlinien (ICD-10) überprüft werden müssen, gibt es je nach Altersbereich verschiedene Erscheinungsformen einer kindlichen Depression. Kinder klagen seltener über Grübeln, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Antriebslosigkeit, stattdessen lassen sich häufig Veränderungen in ihrem alltäglichen Verhalten feststellen:

Depressionen bei Kleinkindern


Kleinkinder zeigen sich häufig desinteressiert, reizbar und weinen oder schreien häufiger. Sie haben oft keine Lust am Spielen und es mangelt ihnen an Fantasie. Weiterhin kann sich eine kindliche Depression auch in Ess- und Schlafstörungen, einer erhöhten Infektanfälligkeit und Entwicklungsverzögerungen zeigen. Manche Kinder neigen dazu, sich stärker selbst zu stimulieren, z.B. über exzessives Daumenlutschen oder Schaukeln des Körpers.

Depressionen bei Vorschulkindern


Vorschulkinder wirken ebenfalls oft teilnahmslos und passiv. Sie haben wenig Freude am Spiel und sind sehr leicht irritierbar, also z.B. auffällig ängstlich gegenüber Neuem, bei Trennungen und bei Fremden. Sie ziehen sich vermehrt zurück, haben eine traurige Mimik und die Stimmung kann zwischen Aggression und Introversion schwanken. Appetitlosigkeit und Schlafstörungen können ebenso auftreten.

Depressionen bei Grundschulkindern


Grundschulkinder können häufiger auch sprachliche berichten, dass sie sich öfter und stärker traurig fühlen. Sie leiden meist unter einem niedrigen Selbstwert mit hoher Selbstkritik, Versagensängsten und einem Leistungsabfall in der Schule oder Lernstörungen, die durch eine mangelnde Konzentration oder Denkhemmungen bedingt sein können. In der Freizeit sind auch sie häufig desinteressiert, ängstlich oder ziehen sich zurück. Auf der körperlichen Ebene kann sich die Depression ebenfalls in Form von Appetitlosigkeit und Schlafstörungen, aber auch häufigen Bauchschmerzen, manifestieren. Suizidgedanken können bereits in diesem Altersbereich auftreten und sollten ernst genommen werden.

Depressionen bei Jugendlichen


Ab dem Jugendalter gleichen die depressiven Symptome denen der Erwachsenen am ehesten. Dazu gehören eine gedrückte Stimmung mit Niedergeschlagenheit oder Stimmungsschwankungen, die auch mit einer erhöhten Reizbarkeit einhergehen können. Die Jugendlichen klagen über ein vermindertes Selbstvertrauen, Wertlosigkeitsempfinden und vermehrte Schuldgefühle. Häufig zeigen sich Konzentrationsstörungen und Denkstörungen, die einen Leistungsabfall in der Schule bedingen. Auch eine vermehrte Ängstlichkeit und Lustlosigkeit lässt sich beobachten. Häufig berichten Jugendliche, dass ihnen „alles zu viel“ und sie mit den Anforderungen des Alltags überfordert seien. Es häufen sich psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen. Eine Depression kann ebenso zu einem starken Gewichtsverlust oder einer Appetitsteigerung sowie Schlafstörungen führen. Da eine Depression durch eine negative Sicht der Umwelt, der Zukunft und der eigenen Person gekennzeichnet ist, können vermehrte Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.
Es ist zu beachten, dass vorübergehende depressive Symptome wie z.B. Reizbarkeit oder Überforderungserleben, ein Teil der pubertären Entwicklung sein können und den Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben, z.B. der Ablösung von den Eltern, dienen. Wir empfehlen daher eine professionelle diagnostische Einschätzung.

Wie häufig treten Depressionen bei Kindern und Jugendlichen auf?


Die Schätzungen der Häufigkeit psychischer Erkrankungen, der sogenannten Prävalenz für einen bestimmten Zeitpunkt oder Zeitraum, variiert stark zwischen verschiedenen Studien. Die Depression ist jedoch eine häufige Erkrankung, deren Auftreten mit zunehmendem Alter ansteigt. Es sind ca. 2 % der Kinder und ca. 6-8 % der Jugendlichen betroffen. Ab der Adoleszenz (zwischen 14 und 18 Jahren) erkranken Mädchen häufiger als Jungen.

Was sind die Ursachen für eine Depression bei Kindern und Jugendlichen?


Nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird nicht von „der Ursache“ einer Depression gesprochen. Stattdessen wird von einem multifaktoriellen Geschehen ausgegangen, bei dem verschiedene Risikofaktoren, aber auch Schutzfaktoren (z.B. bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, unterstützende und sichere Bindungen, stabiles Selbstwertgefühl) wirken und die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung erhöhen oder absenken. Zu den Risikofaktoren gehören u.a. die Dysregulation neurochemischer Prozesse (z.B. Störungen im Transmitterhaushalt des Gehirns), Depressionen in der Familie, dysfunktionale negativistische Denkmuster, die sich mit zunehmendem Alter verfestigen können sowie interpersonale Faktoren. Dabei wirken das familiäre Umfeld und bestimmte Bindungserfahrungen ebenso wie Beziehungserfahrungen zu Gleichaltrigen und anderen Bezugspersonen wie LehrerInnen, wobei wahrgenommene Zurückweisung einen Risikofaktor darstellt. Eine individuelle Analyse zu den Entstehungsbedingungen ist dabei unerlässlich.

Wie werden Depressionen im Kindes- und Jugendalter behandelt?


Es gibt sicher noch viel mehr Fragen, die hier nicht aufgeführt sind. Unsere Psychotherapeut:innen stehen Ihren Fragen offen gegenüber! Stellen Sie diese im Erstgespräch, das sorgt für optimale Ausgangsbedingungen und erhöht das Vertrauen. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Es lohnt sich, das Erstgespräch auf sich zukommen zu lassen. In den meisten Fällen zeigt sich bereits danach eine erste Entlastung. Es kann auch vorkommen, dass die „Chemie“ zwischen Therapeut:in und Patient:in einfach nicht stimmt – das ist auch ok. Dann kann es von Vorteil sein, dies zu besprechen oder noch weitere Behandler:innen kennenzulernen und eine Entscheidung zu treffen.