Was ist eine Störung des Sozialverhaltens?


Um die Störung darstellen zu können, ist es wichtig erst einmal zu wissen, was unter einem Sozialverhalten verstanden wird, sodass hier ein grober Überblick dessen gegeben werden soll:

Was ist Sozialverhalten?


Das Sozialverhalten beschreibt Verhaltensweisen die relevant sind für gemeinschaftliche/ soziale Strukturen. Es handelt sich hierbei um komplexe Verhaltensweisen, welche es ermöglichen uns untereinander zu verständigen und uns miteinander auszutauschen (z.B. Kommunikation wie sprechen, Blickkontakt, Gestik, Mimik, Körpersprache). Das Sozialverhalten ist notwendig, um in einer Gemeinschaft friedlich miteinander leben zu können, weshalb es erlernt werden muss.

Wie lernt man Sozialverhalten?


Jeder Mensch erlernt innerhalb seiner sozialen Strukturen das relevante Sozialverhalten, weshalb es auch sehr unterschiedlich sein kann. Menschen die in anderen Kulturen/ Ländern leben, haben möglicherweise ein anderes Sozialverhalten erlernt als wir hier in Deutschland. Sozialverhalten ist also auch zum Teil Kulturabhängig. Schon in den ersten Lebensjahren lernen alle Säugetiere (also auch wir) Sozialverhalten durch die Eltern und Geschwister. Wir erlernen es durch das Beobachten und probieren es je nach Entwicklungsstand auch selber aus, z.B. beim Spielen mit Freunden, in der Klasse etc. Das Sozialverhalten ist etwas, was wir unser ganz Leben lang weiterentwickeln, sodass es als lebenslanges Lernen beschrieben werden kann.

Was ist jetzt aber eine Störung des Sozialverhaltens?


Unter einer Störung des Sozialverhaltens werden Verhaltensweisen verstanden, die deutlich gegen die sozialen Regeln verstoßen und dementsprechend ein friedliches Miteinander verhindern. Das Bedeutet, dass die Betroffenen die Rechte anderer verletzten und sich nicht an die wichtigsten altersentsprechenden Normen/ Gesetze halten. Diese Verhaltensweisen müssen über einen längeren Zeitraum bestehen und dadurch ein andauerndes Verhaltensmuster erkennen lassen. Dabei können die Verhaltensweisen sehr unterschiedlich sein und es muss auch das Entwicklungsniveau des Kindes / Jugendlichens berücksichtigt werden. Die Störung des Sozialverhaltens zeigt sich vor allem in einem ausgeprägten oppositionellen, aggressiven und delinquenten Handeln. Zu den Leitsymptomen können unter anderem gehören, ein hohes Maß an:

  • Grausamkeiten gegenüber Menschen und Tieren
  • Streit
  • zerstörerischer Umgang mit dem Eigentum von anderen
  • absichtliches ärgern von anderen
  • lügen, um Vorteile zu erzielen
  • stehlen
  • aggressives Verhalten (z.B. Gebrauch von Waffen, Einbruch, absichtliches Feuer legen, Gewalt etc.)

Wie entstehen Störungen des Sozialverhaltens?


Es gibt nicht die eine Ursache für eine Störung des Sozialverhaltens, sondern in der Regel entsteht sie durch mehrere Faktoren, was häufig auch multifaktorielles Entstehungsmodell genannt wird. Hierbei spielen psychosoziale Faktoren (z.B. Erziehungsstil, Eltern- Kind- Bindung, Einfluss Gleichaltriger etc.), biologische Faktoren (z.B. genetische Punkte, Temperament etc.) und soziale Lerntheorien (z.B. Beobachtung und Modellernen etc.) eine bedeutsame Rolle.

Was tun bei einer Störung des Sozialverhaltens?


Bei einer Störung des Sozialverhaltens ist aufgrund des hohen Chronifizierungsrisikos von einem intensiven Behandlungsbedarf auszugehen, um eine bestmögliche Entwicklung des Kindes/ Jugendlichen erreichen zu können. Hierbei kann es sinnvoll sein mit dem sozialen Umfeld des Kindes/ Jugendlichen eng zusammen zu arbeiten, z.B. Schule, Kita, Bezugspersonen. Je nach Ausprägung kann es erforderlich sein auch weitere Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen, z.B. Jugendhilfe.

Im Rahmen der ambulanten psychotherapeutischen Verhaltenstherapie ist das oberste Behandlungsziel, vor allem eine Reduktion der Kernsymptomatik, z.B. Abbau der aggressiven und oppositionellen Verhaltensweisen. Hierfür hat sich vor allem der kognitiv- behaviorale Ansatz als günstig erwiesen. Dieser Umfasst vor allem einen Aufbau der Selbst- und Fremdwahrnehmung, eine Verbesserung der Gefühlsregulation und Ärgerkontrolle, ein Aufbau von sozial angemessenen Verhaltensweisen und eine Verbesserung mit Konflikten. Bei jüngeren Kindern ist es Notwendig die Bezugspersonen (z.B. Eltern) intensiv miteinzubeziehen, dabei soll es zu einer Verbesserung des Familienklimas (z.B. Verbesserung der Kommunikation, Fokus auf positive Momente), Verbesserung einer angemessenen Erziehung (z.B. konsequentes Verhalten) und einer Verbesserung der Problemlösekompetenz (z.B. angemessene Anleitung und Modellernen) kommen.

Darüber hinaus ist es sinnvoll auch die Kinder/ Jugendlichen in ihren realistischen Zukunftsplänen (z.B. Ausbildung) und in der Ablösung von negativen Einflüssen (z.B. dissoziale Freunde) zu unterstützen. Positive Auswirkungen kann vor allem auch die Integration in ein sozial förderliches Umfeld haben.