"Mein Kind möchte kein Junge/Mädchen sein…"


Vielleicht haben Sie als Eltern bereits die Beobachtung gemacht, dass Ihr Kind etwas anders spielt als Altersgenossen. Vielleicht auch gerne mit Kleidung experimentiert. Jungs, die lieber „Mädchenkleidung“ tragen oder Mädchen, die leidenschaftlich gerne Fußball spielen, gibt es häufig. Aber woran merke ich, dass mein Kind trans*ident ist, sich also im falschen Körper fühlt?

Kinder und Jugendliche, die sich mit Trans*gender und Trans*identität auseinander setzen, gehören zu einer besonders vulnerablen gesellschaftlichen Gruppe. In den letzten Jahren ist die Thematik in der Öffentlichkeit präsenter geworden, was einen Raum für Unterstützung, Hilfe und Austausch von und für Trans*Jugendliche geöffnet hat. Auch wir beschäftigen uns hier mit der Geschlechtsidentität und wollen trans*identen Jugendlichen und deren Familien Begleitung anbieten. Der Begriff Trans*Menschen bezeichnet Menschen, deren äußerliche Geschlechtsmerkmale (und damit das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht) nicht mit ihrem gefühlten Geschlecht, dem sogenannten Identitätsgeschlecht, übereinstimmen. Bei Jugendlichen ist diese Wahrnehmung oft komplex, schambehaftet und wirft viele Fragen auf, daher ist es wichtig, sie mit wohlwollendem Verständnis auf ihrem Entwicklungsweg zu unterstützen. Wichtig zu wissen ist außerdem: Nicht alle Menschen, die sich als trans*gender verstehen, unterziehen sich schließlich einer Geschlechtsangleichung.

Trans*gender ist keine Modeerscheinung, sondern oftmals ein wichtiger Meilenstein in der Identitätsentwicklung eines jungen Menschen und oft unabhängig von der sexuellen Orientierung. Momentan fühlen sich ca. 2 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland „im falschen Körper“. Hinweise und Fragen zu diesem Thema sollten deshalb von Eltern und Bezugspersonen gehört und ernst genommen werden.

Trans*gender - so können Sie Ihre Kinder unterstützen


Oft zeigt sich gerade beim Thema Geschlechtsidentität eine Überforderung der Eltern und Bezugssysteme. Dennoch ist es wichtig, diesbezüglich mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Stellen Sie interessierte Fragen, lassen Sie sich von ihrem Kind seine Gefühle beschreiben und bieten Sie immer wieder Ihre Unterstützung an. Oft geht es erst einmal gar nicht sofort um eine Geschlechtsangleichung, sondern vor allem um die Anerkennung der Schwierigkeiten und die offene Kommunizieren der nächsten möglichen Schritte seitens der Bezugssysteme. Wichtige Fragen könnten hierbei sein:

  • Wann hast du gemerkt, dass sich dein Körper anders oder nicht richtig anfühlt?
  • Kannst du dein Gefühl beschreiben?
  • Beeinträchtigt dich dieses Gefühl in deinem Alltag?
  • Was wünscht du dir?
  • Möchtest du mit jemandem darüber sprechen?

Im psychotherapeutischen Kontext ist Transidentität schon lange nicht mehr nur eine Störung mit Krankheitswert, sondern viel eher eine Identitätssuche, die, wenn man sich ihr nicht zuwendet, viel Leidensdruck auslösen kann.

Psychotherapie für Kinder und Jugendliche bei Transgender-Themen


Die psychiatrische Diagnose (falls vergeben) wird im neu aufgelegten psychiatrischen Diagnosemanual (DSM) ab 2022 unter  „geschlechtsspezifische Abweichung“ gelistet und nicht mehr unter „Geschlechtsidentitätsstörung“ und wird zudem unter „Zustandsform der sexuellen Gesundheit“ aufgeführt. Die wichtigsten Diagnosekriterien sind hier die geschlechtsspezifische Abweichung während der Pubertät oder im Erwachsenenalter oder die geschlechtsspezifische Abweichung während der Kindheit. Altersgrenzen verlaufen hier fluide und sind je nach Individuum unterschiedlich.

Therapeutische Implikationen und Inhalte ergeben sich hauptsächlich aus den Familienstrukturen, der Entwicklungsgeschichte, den eigenen Bedürfnissen und dem individuell empfundenen Leidensdruck der Kinder und Jugendlichen. Irreversible körperverändernde Maßnahmen werden fachlich begleitet und sind meist erst nach Abschluss der psychosexuellen Entwicklung angezeigt. Pubertätsblockierende Hormonmedikation kann im Einzelfall gegeben werden, um den Jugendlichen Zeit und Klarheit im Prozess zu verschaffen.

Therapeutisch soll den Jugendlichen vor allem geholfen werden, individuelle und bedürfnisorientierte Lösungen für das spezifische Identitätsproblem zu finden. Wir wollen also gemeinsam nach Antworten suchen, und die Frage „Wie und als wer möchte ich eigentlich leben?“ soll im Vordergrund stehen.