Was ist eine Zwangsstörung?


Eine Handlung oder ein Gedanke wird als Zwangsstörung angesehen, wenn er andauernd wiederholend auf eine bestimmte Art und Weise ausgeführt werden muss. Dies empfinden die betroffenen Personen als stark belastend. Sie versuchen evtl. manchmal etwas gegen den Zwang zu unternehmen, meistens drängt sich der Zwangsgedanke oder die Zwangshandlung derart auf, dass die Angst und der Druck so hoch werden, dass sie den Impuls nachgeben.

"Ab wann müssen wir uns Hilfe holen für unser Kind?"


Rituale strukturieren unseren Alltag und geben uns Halt und Sicherheit (ich putze meine Zähne auf immer die gleiche Art und Weise, fange immer rechts unten an…). An gewisse abergläubische Ideen glaubt fast jeder von uns (dreimal auf Holz klopfen, um das Glück nicht heraus zu fordern). Doch Zwangsgedanken und Zwangshandlungen nehmen bei betroffenen Kindern einen solch großen Raum ein, dass der Alltag der Kinder und oft auch der der ganzen Familie stark beeinträchtigt ist und ein großer Leidensdruck besteht. Die Gedanken, Impulse oder Handlungen werden von den Kindern manchmal jedoch nicht als unsinnig angesehen, die Erwachsenen können jedoch keinen Sinn darin sehen. Sie sind jedoch „nötig“, damit die Betroffenen mit eigenen Ängsten, Sorgen oder Ekel umgehen können und mit dem Ritual „neutralisieren“ können.

Beispiele für Zwangserkrankungen


Zu den häufigsten Zwangserkrankungen zählen Ordnungs- und Zählzwänge (Tür 10 mal auf und zu, Kleiderschrank penibel nach Farben und mit Maßband sortiert), Wiederholungs- und Sammelzwänge (Lichtschalter wiederholt an und aus; Horten), zwanghaftes Rückversichern (holst du mich wirklich 14 Uhr ab? Mache ich das richtig?), Hygienezwänge (Händewaschen, desinfizieren, putzen), Kontrollzwang (ist das Handy wirklich aufgeladen?). Typische Zwangsgedanken können sein: Ich muss die Tür richtig abschließen, sonst wird eingebrochen und es passiert „etwas Schlimmes“. Es gibt auch „verbotene“ Gedanken, die sich durch die Ungeheuerlichkeit noch mehr aufdrängen: sich selbst oder geliebten Menschen weh zu tun z.B. Manchmal ist das gesamte Familiensystem involviert in die Zwänge (eine Schleuse, durch die alle hindurch und Kleidung wechseln müssen, bevor es in die Wohnung geht etc.). Beim Grübelzwang verstricken sich die Kinder und Jugendliche oft stundenlang in Vorstellungen und Analysen und versuchen sich damit auf bevorstehende Situationen vorzubereiten oder reflektieren Erlebtes, oft einhergehend mit Einschlafstörungen. Bei Kindern ist magisches Denken besonders typisch: Ich muss immer meinen Bären dabeihaben, sonst hat Papa einen Unfall mit dem Auto.

Wie behandelt Psychotherapie Zwänge?


In der kognitiven Verhaltenstherapie gehen wir von der Annahme aus, dass jedes Verhalten erlernt und auch wieder verlernt werden kann. Typischerweise gehen wir nach einem guten Beziehungsaufbau in die Konfrontation und üben das Aushalten der Zwangsgedanken und aufdrängenden Impulse ohne ihnen nachzugehen (schrittweise Expositionsübungen). Die Patienten machen die Erfahrung, dass trotz großer Angst oder großem Ekel die Situation ausgehalten werden kann ohne ein neutralisierendes Ritual ausführen zu müssen und gewöhnen sich allmählich an die angstbesetzten Situationen und Gedanken. Außerdem reden wir über evtl. vorhandene überwertige Ideen und Werte (Alles muss sauber und reinlich sein? Warum? Was passiert, wenn es unordentlich ist?). Beim „Realitätstesten“ fragen wir z.B. danach, wie wahrscheinlich es ist, sich beim Türklinke anfassen mit einer Krankheit anzustecken.