Warum ist Entspannung auch im Kindes- und Jugendalter wichtig?


Wir alle brauchen Gelegenheit, um zur Ruhe zu kommen. Das ist leider im stressigen Alltag oft nicht möglich. Ursachen für Unruhe und Stress können Konflikte sein in der Kita, Schule oder Zuhause, Langeweile, zu viele Termine (Verein, Musikunterricht, Unternehmungen), Über- oder Unterforderung in der Schule, Erkrankungen, erhöhte Zuckeraufnahme, Selbstzweifel und Unsicherheiten. Auch den Ursachen der Unruhe versuchen wir in der Psychotherapie auf den Grund zu gehen.

Entspannungsübungen für Kleinkinder


Auch Kinder stehen bereits in der Kita unter Druck, sich an vorgegebene Strukturen anzupassen und sich in eine Gruppe einzufügen. Oft entlädt sich der aufgestaute Druck am Nachmittag bei den Bezugspersonen, die ihrerseits dann oft nicht wissen, wie sie damit umgehen können. Hier können gezielte Entspannungsübungen sinnvoll sein, die die Familien in der Therapiesitzung lernen. Eltern lernen von den Therapeut:innen z.B. Atemübungen, Traum- oder Körperreisen kennen, die sie mit ihren Kindern dann durchführen können, um z.B. eine Schlafroutine zu entwickeln, um die Kinder in den Schlaf zu begleiten oder um sie bei Trotz, Aggression oder Angst zu unterstützen.

Entspannungsübungen für Schulkinder


Bei Schulkindern können Entspannungsübungen hilfreich sein, um das allgemeine Stresslevel zu senken und um z.B. leistungsfähiger in der Schule oder im Freizeitbereich zu sein, um abschalten zu können und Ruhe zur Regeneration zu haben. Entspannungsübungen können aber auch bei verschiedenen Störungsbildern in der Therapie gezielt eingesetzt werden: z.B. bei ADHS, Depressionen, Ängsten oder Phobien. Auch Konflikte im Freundes- oder Familienkreis lassen sich besser lösen, wenn das Kind nicht unter Dauerstrom steht. Vielleicht profitiert sogar die gesamte Familie von den erlernten Techniken.

Entspannungstechniken für Jugendliche


Ausgehend von der individuellen Reife des:der Jugendlichen bestehen kaum Unterschiede zu Entspannungsübungen im Erwachsenenbereich.

Wie erkenne ich, ob mein Kind Entspannung braucht?


Genau wie bei Erwachsenen reagieren Kinder auf Stress unterschiedlich. Folgende Symptome könnten Anzeichen dafür sein, dass Ihr Kind unter Stress steht: Es reagiert häufig gereizt, wütend oder aggressiv, es kann nicht gut ein- bzw. durchschlafen, es hat Bauch- oder Kopfschmerzen, es ist oft unruhig und zeigt wenig Appetit, es leidet unter Verspannungen.

Was sind Stresssymptome bei Jugendlichen?


Stresssymptome können sein: Nervosität, Konzentrationsprobleme, Ein- und Durchschlafprobleme, Müdigkeit, Bauch- und Kopfschmerzen, Herzklopfen, Händezittern, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schwindel.

Entspannungsmethoden bei Kindern und Jugendlichen


Wissenschaftlich erprobte Entspannungsmethoden sind z.B. die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson (kurz PMR) und Autogenes Training (AT).
Kleinkinder und Schulkinder werden spielerisch an diese Entspannungsmethoden in der Therapie herangeführt. Eingebettet in kindliche Geschichten (z.B. Kapitän Nemo Geschichten, Beispiel für Geschichten mit AT) und mit altersangemessenen Methaphern (z.B. „stell dir vor, du drückst einen nassen Schwamm aus“, Beispiel für einen Part in der PMR), bekommen Betroffene ein wirkungsvolles Tool an die Hand, dass, mit einiger Übung, gezielt Unruhe und Stress reduzieren kann und schnell abrufbar im Alltag ist.

Progressive Muskelentspannung PMR bei Kindern und Teenagern


Bei dieser Technik werden einzelne Muskelpartien zuerst angespannt und dann gelockert. Dadurch soll ein Zustand tiefer Entspannung erreicht werden. Ein Beispiel für eine Übung: Ihr Kind ballt die rechte Hand zur Faust lässt sie nach 10 Sekunden wieder los. Anschließend wiederholt Ihr Kind das Ganze mit der linken Hand. Das wird mit dem gesamten Körper wiederholt und es lassen sich im fortgeschrittenen Stadium auch einige Muskelgruppen zusammenfassen. Ziel ist, mit Bewegung, Anspannung und dem Nachfühlen in der Entspannung in einen Entspannungszustand zu gelangen.

Autogenes Training (AT) bei Kindern und Teenagern


Autogenes Training setzt formelhafte Sätze ein, die direkt am vegetativen Nervensystem ansetzen. Auf diese Weise lassen sich viele unwillkürlich ablaufende Körperfunktionen wie Herzschlag, Hormonausschüttung und Verdauung willentlich beeinflussen. Eine Formel könnte z.B. sein: „Mein einer Arm ist ganz schwer, mein einer Arm ist ganz schwer.“ Ziel ist zudem, Gelassenheit im Denken anzustreben und belastende Gedanken vorbei ziehen zu lassen.

Imagination als Methode bei Kindern und Teenagern


Imagination ist eine Fähigkeit, die man sich gern in der Verhaltenstherapie zunutze macht. Der Patient kann lernen seine Vorstellungskraft, innere Bilder und Ressourcen gezielt einzusetzen bei vorhandenen Schwierigkeiten. Der „Trick“ dabei ist, dass das Gehirn kaum einen Unterschied zwischen Vorstellung und erlebter Realität macht. Stellt sich z.B. ein Kind oder Jugendlicher unter Anleitung der/ des Therapeuten vor, einen Vortrag vor der Klasse erfolgreich zu halten, so wächst die Zuversicht, das auch in der Zukunft umzusetzen, die Stimmung verändert sich positiv und Mut wird gefördert.

Wofür werden Imaginationen in der Therapie genutzt?


In der Psychotherapie wird Imagination ständig eingesetzt. Das findet oft schon nebenbei im Gespräch statt („Was wird sich verändern, wenn du mehr Selbstbewusstsein hast?“) oder es findet eine angeleitete Imaginationsübung statt: z.B mein innerer Garten oder der innere sichere Ort.
Das Kind oder der Jugendliche lernt außerdem Gefühle von Gedanken zu unterscheiden und selbst aktiv zu verändern. Beispielsweise können individuell entwickelte „Mutsätze“ das Selbstbewusstsein stärken oder „Beruhigungssätze“ Aggression mindern.
Auch bei chronischen Erkrankungen können Imaginationen z.B. helfen, die Schmerztoleranz zu erhöhen. Der „Scheinwerfer“ wird von dem Schmerz auf positive innere Bilder gelenkt.

Sind Imaginationsübungen schon bei kleinen Kindern möglich?


Kinder nutzen ihre Kreativität und Vorstellungskraft viel selbstverständlicher als Erwachsene. Im gemeinsamen Spiel kann man so an vorhandenen Ressourcen des Kindes anknüpfen und alternative Handlungsräume eröffnen. Bewährt haben sich bei Kindern auch „innere Helfer“ zu entwickeln, vorgestellte Wesen, die sie unterstützen und „Monster“ besiegen/ einsperren.

Imagination bei Jugendlichen


Auch bei jungen Erwachsenen haben sich der Einsatz von Imaginationsübungen bewährt. Imaginationsübungen können zur Stabilisierung in Krisen (Tresorübung) oder zum Unterbrechen von automatischen Gedanken (Gedankenstopp) genutzt werden. In der Schematherapie können Jugendliche zudem vergangene problematische Situationen neu erleben, neu gestalten und ihr inneres verletztes Kind trösten.