Positive Psychologie und Martin Seligman
Die positive Psychologie widmet sich der Frage, was das Leben lebenswert macht. Der Fokus liegt dabei vor allem auf den Stärken und Ressourcen einer Person und deren Förderung und nicht auf dem Beheben von ihren „Defiziten“ oder Problemen. Als Begründer der modernen positiven Psychologie gilt Martin Seligman, obgleich die Frage bereits die Philosoph:innen der Antike bewegte.
Aufblühen (Flourishing)
Ein zentrales Konzept innerhalb der positiven Psychologie ist das Aufblühen. Dies beschreibt einen Zustand, der über die bloße Abwesenheit von psychischen Beschwerden hinausgeht. Ein Alltag wird angestrebt, in dem Momente von Vitalität, Sinnerfüllung und echter Lebensfreude spürbar werden.
Therapeutische Haltung
Der positiven Psychologie liegt die Annahme zugrunde, dass jeder Mensch ein erfülltes Leben führen möchte. Positive Psychologie ist keine „Happyologie“ – es geht um das Ermöglichen eines gelingenden Lebens auch unter teilweise widrigen Umständen. Daher fragen Therapeuten hier nicht nur „Was stimmt nicht?“, sondern vor allem „Was funktioniert gut?“.
PERMA
Das von Seligman postulierte PERMA-Modell ist der bekannteste Ansatz zur Beschreibung verschiedener Faktoren, die die Lebenszufriedenheit positiv beeinflussen können. In der therapeutischen Praxis werden dazu gemeinsam individuelle Strategien entwickelt, die über die bloße Behandlung von Symptomen hinausgehen.
Positive Emotions
Das Erleben positiver Emotionen ist ein essenzieller Faktor für das Wohlbefinden eines jeden Menschen. Das Erleben positiver Emotionen ist etwas anderes als die Abwesenheit negativer Emotionen. Nur weil jemand weniger ängstlich ist, ist er noch lange nicht mutig. Nur weil jemand weniger depressiv ist, ist er noch lange nicht glücklich.
In der Praxis bedeutet das: Sie finden Wege, um mehr positive Emotionen in Ihrem Alltag zu spüren und stärken Ihren Blick für das Gelingende.
Engagement
Engagement beschreibt im PERMA-Modell das Aufgehen in einer Sache. Zentral ist hier das Wissen um und die Verwendung unserer eigenen Stärken. Stärken sind vor allem positive Wesenszüge (z.B. Freundlichkeit, Authentizität, Bescheidenheit, Freude am Lernen), weniger gemeint sind Talente oder Begabungen. Menschen, die ihre Stärken häufig gebrauchen, blühen mit 18-fach höherer Wahrscheinlichkeit auf. Trotzdem kennen 2/3 der Menschen ihre Stärken nicht.
In der Praxis bedeutet das: Sie identifizieren Ihre Stärken und finden Möglichkeiten, Ihre Stärken gezielter im Alltag einzusetzen.
Relationships
Das Erleben von positiven, sicheren und vertrauensvollen Beziehungen ist der Faktor, der das Erleben von Lebenszufriedenheit am stärksten beeinflusst. Wir Menschen sind soziale Wesen. Viele prägende Momente im Leben erleben wir in Gemeinschaft. Die Forschung zeigt, dass positive Beziehungen Stressoren deutlich abfedern können. Entscheidend ist hier die Qualität der Beziehungen, nicht die Quantität.
In der Praxis bedeutet das: Sie finden Möglichkeiten, um positive Beziehungen aufzubauen, die Qualität Ihrer bestehenden Beziehungen zu verbessern und Wege, echte Verbundenheit zu erleben.
Meaning
Meaning beschreibt das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein und eine sinnerfüllte Aufgabe im Leben zu haben. In diesem Zusammenhang spielen Werte eine wichtige Rolle. Sie dienen als innerer Kompass, der uns hilft, Entscheidungen zu treffen, die sich stimmig und sinnvoll anfühlen. Leben wir stärker im Einklang mit unseren Werten, so wirkt sich dies positiv auf die Lebenszufriedenheit aus und kann Resilienz fördern.
In der Praxis bedeutet das: Sie identifizieren Ihre Werte und finden Wege, wie Sie Ihre Lebensgestaltung wieder stärker mit diesen inneren Überzeugungen in Einklang bringen können.
Accomplishment
Hier liegt der Fokus auf dem Streben nach Erfolg, Meisterschaft, Kompetenz und Leistung um ihrer selbst willen. Dabei geht es auf keinen Fall um Selbstoptimierung oder Karriere, sondern um das Erreichen intrinsischer Ziele und das Erleben von Selbstwirksamkeit.
In der Praxis bedeutet das: Sie definieren realistische, für Sie bedeutsame Ziele und feiern die (kleinen) Erfolge auf dem Weg dorthin, um Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken.
Literatur
Blickhan, D. (2018). Positive Psychologie: Ein Handbuch für die Praxis (2. Aufl.). Junfermann.
Seligman, M. E. P. (2012). Flourish – Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens. Kösel.

