WAS SIND PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN?
Unsere Persönlichkeit entwickelt sich aus unserem angeborenen Temperament und wird durch unsere Erfahrungen in der Kindheit, Jugend und im Erwachsenenalter weiter geprägt. Heute macht sie uns zu dem Menschen, der wir sind und ist eine wichtige Säule unserer Identität. Unsere Persönlichkeit hilft uns, den Anforderungen unseres Lebens auf unsere individuelle Art gerecht zu werden.
Wenn wir unter bestimmten Entwicklungsbedingungen aufgewachsen sind, kann es sein, dass wir im Gegensatz zu anderen Menschen eine andere Art entwickelt haben Situationen wahrzunehmen und zu beurteilen. Gefühle können dann intensiver, zwischenmenschliche Beziehungen problematischer sein, die Impulskontrolle schwerer fallen. Die Befriedigung psychologischer Grundbedürfnisse ist insgesamt erschwert, weil wir weniger flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagieren können.
Persönlichkeitsstörungen sind daher weit mehr als nur kleine Eigenheiten oder charakteristische Merkmale. Sie repräsentieren tiefgreifende und hartnäckige Muster von Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen, die von den Erwartungen der Gesellschaft und den eigenen Zielen und Werten abweichen. Diese Muster prägen die Art und Weise, wie jemand die Welt wahrnimmt, sich selbst erlebt und mit anderen interagiert.
Im Gegensatz zu vorübergehenden Stimmungsschwankungen oder kurzfristigen Verhaltensweisen sind Persönlichkeitsstörungen durch ihre Beständigkeit und Intensität gekennzeichnet. Sie beeinflussen alle Aspekte des täglichen Lebens und können zu schwerwiegenden Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, beruflichen und persönlichen Bereichen führen.
WIE WERDEN PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN BEHANDELT?
In der Therapie ist eine vertrauensvolle und sichere therapeutische Beziehung wesentlich für das Hinterfragen und die Veränderung hinderlicher Aspekte der Persönlichkeit. Wenn die sichere Beziehung aufgebaut ist, geht es darum, vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen verstehbar zu machen, wie die heute störenden Verhaltens- und Erlebensweisen entstanden sind und welche Bedürfnisse (Motive) sich dahinter verbergen. Hierbei ist die klärungsorientierte Psychotherapie nach Rainer Sachse mit ihrer Motivorientierten Beziehungsgestaltung mittel der Wahl.
Auch Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung, Regulation von Gefühlen und Impulsen, Flexibilisierung und Überprüfung von Regeln und Annahmen erzielen wirksame Veränderungen.
Die Veränderung alter Denk- und Erlebensweisen (sogenannten Schemata), die sich heute als wenig hilfreich herausgestellt haben, hat auch die Schematherapie nach Jeffrey Young zum Ziel und wird in der Therapie von Persönlichkeitsstörungen eingesetzt.
Für Menschen mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung hat sich ein spezielles Behandlungsverfahren als wirksam erwiesen: die Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan.
Insgesamt zielt die Therapie darauf ab, die persönlichen Herausforderungen und Schwierigkeiten zu verstehen, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und positive Veränderungen im Verhalten und Erleben zu fördern. Durch die kontinuierliche Unterstützung und Anleitung durch erfahrene Therapeuten können Betroffene lernen, mit ihren Persönlichkeitsstörungen umzugehen und ein erfüllteres Leben zu führen.
WELCHE VERSCHIEDENEN PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN GIBT ES?
Hier ist eine Auswahl an verschiedenen spezifischen Persönlichkeitsstörungen. Jede dieser Persönlichkeitsstörungen beeinflusst das Leben der Betroffenen auf ihre eigene Weise und kann zu verschiedenen Herausforderungen führen. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass es sich hierbei nur um eine grobe Umschreibung handelt:
- Paranoide Persönlichkeitsstörung:
Menschen mit dieser Störung sind oft misstrauisch und glauben, dass andere ihnen schaden wollen, auch wenn es keine klaren Beweise dafür gibt. Sie können Schwierigkeiten haben, anderen zu vertrauen und fühlen sich oft angegriffen oder beleidigt.
- Abhängige Persönlichkeitsstörung:
Personen mit dieser Störung fühlen sich unsicher und haben Angst davor, auf sich allein gestellt zu sein. Sie suchen oft die Hilfe und Bestätigung anderer und haben Schwierigkeiten, eigene Entscheidungen zu treffen. Da sich die Betroffenen anderen gegenüber oft unterordnen, neigen sie dazu anderen alles recht zu machen, um die Beziehung nicht zu gefährden.
- Borderline-Persönlichkeitsstörung:
Diese Störung ist durch intensive Gefühle, wie starke Angst oder Wut, und instabile zwischenmenschliche Beziehungen gekennzeichnet. Betroffene können sich oft impulsiv verhalten und haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu kontrollieren. Das kann auch zu selbstverletzenden Verhaltensweisen fühlen, um kurzfristig intensive Gefühle abzumildern.
- Narzisstische Persönlichkeitsstörung:
Menschen mit dieser Störung haben ein übermäßiges Bedürfnis nach Bewunderung und Aufmerksamkeit und halten sich für besonders und erwarten, dass andere sie ebenfalls so sehen. Oft haben sie Schwierigkeiten sich in andere Personen hinzuversetzen. Mitunter leisten sie Großes und haben Erfolge. Dafür engagieren sie sich besonders im Beruf. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer Bindungen zu anderen langfristig aufzubauen und fühlen sich oft allein.
- Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung:
Menschen mit dieser Störung fühlen sich oft unsicher und unzulänglich. Sie meiden soziale Situationen aus Angst vor Ablehnung oder Kritik.
- Histrionische Persönlichkeitsstörung:
Diese Störung wird durch ein übermäßiges Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung gekennzeichnet. Betroffene neigen dazu, theatralisch zu sein und ihre Emotionen dramatisch auszudrücken, um im Mittelpunkt zu stehen.
PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN
Psychologen und Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen


