Sexuelle Störungen treten sehr häufig auf. Man geht davon aus, dass mehr als 15% der Patienten in Arztpraxen davon betroffen sind. Sexuelle Störungen haben alle gemeinsam, dass die angestrebte sexuelle Beziehung nicht befriedigend erlebt werden kann. Eine sexuelle Störung hat Auswirkungen auf die Partnerschaft. Aber auch Probleme in der Beziehung können zu sexuellen Problemen führen. Der sexuelle Prozess besteht dabei im Allgemeinen aus vier Phasen. Es beginnt mit der Appetenz-Phase, in der es zu Phantasien über sexuelle Aktivitäten kommt oder sich das Verlangen einstellt. Anschließend kommt es zur Erregungsphase und geht über in die Orgasmus-Phase mit dem Höhepunkt der sexuellen Lust. Darauf folgt die Entspannungs-Phase mit dem Gefühl muskulärer und allgemeiner Entspannung und Wohlbefinden. In jeder dieser Phasen kann es zu Schwierigkeiten kommen:

  • Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen: Hierbei kommt es zu einem Libidoverlust. Ein Mangel an sexuellem Verlangen schließt eine sexuelle Befriedigung und Erregung nicht aus. Jedoch werden sexuelle Aktivitäten selten initiiert.
  • Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung: Hierbei wird sexuelle Aktivität vermieden, weil es eine intensive Furchtreaktion auslöst (sexuelle Aversion). Es kann aber auch sein, dass die sexuelle Aktivität stattfindet. Hierbei können alle sexuelle Reaktionen, einschließlich Orgasmus, erfahren werden. Jedoch findet die sexuelle Aktivität ohne entsprechende Lust statt (mangelnde sexuelle Befriedigung).
  • Versagen genitaler Reaktionen: Männer haben hierbei Schwierigkeiten, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr notwendige Erektion zu erlangen oder aufrecht zu erhalten. Bei Frauen ist zu wenig oder gar keine vaginale Lubrikation vorhanden.
  • Orgasmusstörungen: Das Problem ist ein gänzlich fehlender oder verzögerter Orgasmus. Dies kann alle Situationen betreffen. Die Orgasmusstörung kann allerdings auch nur in spezifischen Situationen auftreten.
  • Ejaculatio praecox: Es kommt zum vorzeitigen Samenerguss, so dass das sexuelle Zusammensein nicht genossen werden kann.
  • Nichtorganischer Vaginismus: Aufgrund einer verkrampften Scheide ist das Eindringen des Penis nicht möglich oder sehr unangenehm. Für die Diagnose müssen organische Ursachen ausgeschlossen sein.
  • Nichtorganische Dyspareunie: Der oder die Betroffene erleben Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs. Diese Schmerzen können nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückgeführt werden.
  • gesteigertes sexuelles Verlangen (Sexsucht/Hypersexualität): Ein ständiges Verlangen nach intimen Kontakten, exzessive Selbstbefriedigung und der Konsum von Pornografie mehrere Stunden am Tag sind die typischen Symptome der Hypersexualität. Die Sexsucht, wie die Hypersexualität im allgemeinen Sprechgebrauch genannt wird ist keine Krankheit im engeren Sinne, wird von den Betroffenen aber als solche erlebt, da häufig ein Gefühl des Kontrollverlustes und Leidensdruck entstehen. Der Begriff Sexsucht ist irreführend, da sich die Hypersexualität von einer Sucht deutlich unterscheidet. Je nach Ausprägung des Verhaltens, kann man eher von einem Zwang (LINK) oder einer Impulskontrollstörung (LINK) sprechen. Die Betroffenen können ihr Sexualverhalten nicht mehr steuern und vernachlässigen oftmals darüber ihre übrigen Interessen. Der Alltag und vor allem die Partnerschaft leiden unter der Hypersexualität. Als Ursachen sind häufig eine unzureichende emotionale Ausdrucksmöglichkeit und Schwierigkeiten mit Intimität und Nähe vorhanden.

Therapiemöglichkeiten:

Um die Lebensqualität zu steigern und eine sexuelle Störung zu behandeln können Sexualberatungen oder Paartherapie hilfreich sein. Wenn die betroffene Person nicht in einer Beziehung lebt, traumatische Erfahrungen ursächlich sind oder innere Konflikte vermutet werden, bietet sich eine Einzelpsychotherapie an. Innerhalb der verhaltenstherapeutischen Behandlung lernen die Betroffenen, ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche zu formulieren, Vermeidungsverhalten und Ängste abzubauen und ihre sexuellen Körperreaktionen besser wahrzunehmen und damit einen kontrollierten und gesunden Umgang mit der eigenen Sexualität zu erlernen.