Was ist Stress?


„Ich bin so gestresst“ – diesen Satz kenne viele Menschen aus ihrem Alltag. Dabei können ganz unterschiedliche Faktoren zu diesem Erleben beitragen. Am häufigsten sind es psychosoziale Ursachen, die uns stressen. So kennen die meisten Menschen die negativen Effekte von Leistungsdruck, ständigem Multi-Tasking und ständiger Erreichbarkeit, Konflikten in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Familie, Bewegungsmangel und wenig Zeit für Erholung. Und je nach unseren Vorerfahrungen können viele weitere Situationen oder Umweltreize eine Stressreaktion auslösen – was sich bei jedem Menschen individuell äußern kann.

Auswirkungen von Stresshormonen auf Körper und Emotionen


Doch was ist eigentlich Stress? Zunächst handelt es sich um eine sinnvolle Reaktion unseres Körpers auf einen bedrohlichen Umweltreiz. Diese Reaktion hat sich evolutionsbiologisch bereits sehr früh entwickelt und das Überleben des Menschen gesichert. Um gegen eine Bedrohung wie ein gefährliches Tier kämpfen oder vor ihm flüchten zu können, muss der Körper nämlich sehr schnell Energie bereitstellen. Dazu werden Stresshormone ausgeschüttet, die den Körper in Alarmbereitschaft versetzen. In Sekundenschnelle werden dann die Bronchien zum Luftholen und die Pupillen zum Sehen geweitet, die Muskeln angespannt, Puls und Blutdruck für eine bessere Durchblutung erhöht, die Verdauung pausiert und die Atemfrequenz gesteigert. Doch wie häufig kommt ein Kampf gegen ein gefährliches Tier in unserem heutigen Leben vor? Stattdessen wirken Termindruck, Konflikte in der Familie oder berufliche Überforderung als Stressoren auf uns. Vor diesen Dingen können wir nicht im klassischen Sinne „weglaufen“ oder „gegen sie kämpfen“ und sie halten deutlich länger an. Die körperliche Stressreaktion läuft also ab, während wir mitunter äußerlich ruhig am Schreibtisch sitzen und der Körper muss sich häufig eine „längerfristige Bedrohung“ einstellen. Beides führt dazu, dass die Stresshormone deutlich langsamer abgebaut werden. Auf gedanklich-emotionaler Ebene entstehen bei Stress zusätzlich oft negative Gefühle wie innerer Druck, Versagensangst oder Grübelgedanken und von außen lässt sich meist Hektik, eine erhöhte Reizbarkeit oder Ungeduld beobachten. Deshalb ist Stress für viele Menschen belastend.

Wofür ist Stress gut?


Doch Stress zu erleben, ist nicht per se schlecht. Er kann auch bei positiven Ereignissen auftreten (z.B. der Geburt eines Kindes, einer Hochzeit) und für einen Adrenalin-Kick sorgen. Auch wenn sich die „Bedrohungen“ in unserem heutigen Leben verändert haben, profitieren wir sehr häufig von der Stressreaktion, die unsere Sinne schärft, unsere Konzentration erhöht und uns leistungsfähiger macht, zum Beispiel in Prüfungssituationen. Es hat sich in Studien gezeigt, dass eine „mittlere Anspannung“ meist zum besten Ergebnis führt. Die Stressreaktion gehört demnach zu unserem Leben dazu und hilft uns dabei, Herausforderungen zu meistern.

Wann ist Stress ungesund?


Bei Stress ist es wie bei vielen Medikamenten: „Die Dosis macht das Gift“. Stress kann negative Folgen haben, wenn wir er chronisch ist und damit sozusagen „überdosiert“ wird. Das bedeutet, dass unser Körper nicht mehr aus dem Alarmzustand herausfindet. Die Stresshormone unterdrücken beispielsweise für eine kurze Zeit unsere Wahrnehmung von Schmerzen und steigern die Immunabwehr. Das ist wichtig, um die Energie bei Stress „an der richtigen Stelle“ zur Verfügung zu haben. Doch diese Effekte wirken nur kurz. Bei anhaltendem Stress wird die Immunabwehr geschwächt, wodurch die Neigung zu Erkältungsinfekten steigt. Die dauerhafte Anspannung kann zu verstärkten Nacken- und Rückenschmerzen führen, auch Verdauungsprobleme mit Bauchschmerzen sind häufig. Bluthochdruck kann stressbedingt dauerhaft auftreten und eine Verkalkung der Herzkranzgefäße mit einer erhöhten Herzinfarktgefahr bedingen. Einige Menschen leiden bei Stress unter sexueller Unlust, Reizbarkeit, Schlafstörungen mit Albträumen oder Migräne. Werden die Energiereserven durch chronischen Stress fortwährend beansprucht, können sie sich nicht mehr auffüllen und die Leistungsfähigkeit sinkt. Dazu gehört eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und erhöhte Fehleranfälligkeit. Es kann zu Erschöpfungszuständen im Rahmen einer Depression oder eines Burn-Outs kommen, aber auch andere psychische Erkrankungen wie Panikattacken werden wahrscheinlicher. Ein weiteres Gesundheitsrisiko besteht darin, dass viele Menschen zur Beruhigung rauchen oder Alkohol mit schädlichen Folgen einsetzen.

Techniken zum Stress reduzieren


Stress stellt einen bedeutsamen Faktor bei der Entwicklung von psychosomatischen und psychischen Erkrankungen sowie bei einer Vielzahl weiterer Krankheitsbilder und Beschwerden dar. Durch das Stressbewältigungstraining sollen die Kompetenzen zur Stressbewältigung verbessert werden mit dem Ziel die körperliche und psychische Gesundheit zu fördern. Neben der Vermittlung von Stress-Modellen (z. B. Stress-Ampel) und Einüben von Entspannungsübungen werden Strategien erarbeitet, die einen flexibleren Umgang mit alltäglichen Belastungen ermöglichen. Je nach Problemlage werden Techniken zum Stressmanagement am Arbeitsplatz eingeführt, Möglichkeiten zur Integration von Entspannung oder Sport im Alltag geprüft, Übungen zum besseren Zeitmanagement durchgeführt oder Methoden entwickelt, um Stress im Alltag leichter zu kommunizieren.

Wie kann Stress mit Hilfe von Psychotherapie bewältigt werden?


Unsere PsychotherapeutInnen arbeiten nach der Methode der Verhaltenstherapie, die verschiedene Ansatzpunkte zur Erhöhung Ihrer Stressbewältigungskompetenz bietet. Es werden Ihnen verschiedene Modelle vermittelt, mit denen Sie Ihr individuelles Stresserleben analysieren können. Sie werden dabei unterstützt, herauszufinden, welche Stressoren (Auslöser) auf Sie wirken („Ich gerate in Stress, wenn…“) und wie Sie aktiv und lösungsorientiert mit diesen umgehen können. Sie lernen, wie Ihre persönliche Stressreaktion aussieht („Wenn ich im Stress bin, dann…“) und welche Rolle Ihre persönlichen Einstellungen („Ich setze mich selbst unter Stress, indem…“) spielen. So können Perfektionismus, Überverantwortlichkeit oder unrealistische Tagespläne als persönliche Stressverstärker wirken. Diese können anhand sogenannter kognitiver Methoden hinterfragt und hin zu förderlichen Denkmustern verändert werden. Gleichzeitig wird die subjektive Bewertung einer Stresssituation mit Ihnen betrachtet – es kann einen deutlichen Unterschied machen, ob Sie beispielsweise eine Prüfung als Herausforderung oder als Bedrohung für sich betrachten und wie Sie Ihre individuellen Möglichkeiten zur Bewältigung einschätzen. Ressourcenorientiert kann gemeinsam erarbeitet werden, was Ihnen bei der Bewältigung hilfreich erscheint, bereits zur Verfügung steht oder noch ausgebaut werden kann. Schließlich ist es auch wichtig, wie Sie mit sich nach dem Erleben von Stress umgehen, um den eigenen Stress abzubauen. Unsere PsychotherapeutInnen werden Ihnen helfen, einen individuellen Weg (z.B. durch Sport, Entspannungsmethoden oder Meditation) der Regeneration und des Ausgleichs zu finden, um langfristig körperliche sowie psychische Beschwerden zu verringern.